Als Alina Widmer im Jahr 2022 mit ihrem Freund zusammenziehen wollte, fand sie trotz intensiver Suche keine bezahlbare Wohnung in Bassersdorf. Fündig geworden ist die Bodenwissenschafterin dann in Illnau. Doch sie würde gerne zurück nach Bassersdorf. Am liebsten in die Nähe des Bahnhofs.
Kletterfan Alina Widmer war öfters im Grindel Boulder anzutreffen in Bassersdorf.
Alina Widmer lernte Bassersdorf während ihres Geografie-Studiums kennen. Sie zog mit einer Handvoll Kolleg:innen in ein älteres Haus mit Garten und schöner Aussicht. Es gefiel ihr auf Anhieb. «Man merkte, dass sich die Leute für die Gemeinschaft engagieren», erinnert sich Widmer. «Und auf dem Dorfplatz ist oft etwas los, die Vereine sind aktiv.» Am Mittelaltermarkt half sie selbst mit. Praktisch fand Widmer zudem die Nähe zum Flughafen-Shopping, wenn am Sonntag mal etwas fehlte. Als Berg-Liebhaberin fuhr sie mit ihrem Velo oft in die Boulder-Halle im Grindel. Via Migros gings dann keuchend wieder den Berg hoch.
Wohnungssuche in Bassersdorf: ganz schön schwierig
Ihren Freund lernte Alina Widmer in der WG kennen. 2022 beschlossen die beiden, auszuziehen und eine gemeinsame Wohnung zu suchen. Doch das Unterfangen erwies sich als schwierig bis unmöglich, vor allem wenn man über ein beschränktes Budget verfügte wie die beiden. Hat sich daran etwas geändert seither? Die Antwort lautet: Nein. Lediglich 0,76% der Wohnungen waren am Stichtag Anfang Juni 2025 in Bassersdorf verfügbar. Diese Leerwohnungsziffer entspricht ziemlich exakt dem Schnitt fürs ganze Glatttal. Die Wohnungsknappheit in Bassersdorf besteht also seit langem. Um mehr freie Wohnungen zu finden, muss man bis zur Jahrtausendwende zurückgehen (siehe Grafik).

Quelle: Kanton Zürich (Juni 2026)
Rückkehr nach Bassersdorf wäre ihr Wunsch
«Einmal hätte es um ein Haar geklappt, doch dann hat eine Familie mit Kindern den Vorzug erhalten, was ja auch richtig ist», erklärt Widmer, die aktuell ihre Dissertation schreibt und bei Agroscope arbeitet. «Irgendwann gaben wir es auf und vergrösserten den Suchradius.» Fündig wurden sie schliesslich in Illnau, ebenfalls in der Nähe des Bahnhofs. Effretikon hatten sie ebenfalls geprüft. Doch die Objekte dort waren entweder zu alt oder zu abgelegen. Beim Gespräch über ihre Wohnungssuche kommt Widmer eine Situation am Bahnhof Bassersdorf in den Sinn. «Ich wartete auf den Zug, blickte auf das spärlich genutzte Gewerbegebiet südlich der Geleise und dachte: Warum gibt es hier eigentlich keine Wohnungen? Das wäre doch ideal!»
Gebietsentwicklung «Basi Süd» als spannende Perspektive
Den Gestaltungsplan «Basi Süd» findet sie spannend, da viele ihrer Wunschkriterien erfüllt sind:
- Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist ausgezeichnet
- Es ist bezahlbarer Wohnraum geplant
- Nachhaltigkeit wird grossgeschrieben
- Man ist schnell im Grünen
Auf eine gute Nachbarschaft legt sie grossen Wert. «Mir ist wichtig, dass man Sorge trägt und ein geordnetes Leben möglich ist», so Widmer. «Auf geklaute Päckli habe ich keine Lust.» So könnte sie sich auch vorstellen, dereinst in einem Quartierverein mitzuwirken oder sich anderweitig für die Gemeinschaft zu engagieren. Ob es doch noch klappen wird mit der Rückkehr nach Bassersdorf? Das hängt von zahlreichen Faktoren ab. Ihre Dissertation zum Thema Nassreisanbau in der Schweiz ist bald abgeschlossen. Anschliessend könnte sie sich vorstellen, als Geografie-Lehrerin zu arbeiten. Ob in Bassersdorf oder sonst wo im Glatttal, wird sich noch zeigen.

Alina Widmer auf Neophytenjagd im Garten ihrer damaligen Bassersdorfer Wohngemeinschaft.
Wer zieht in neue Quartiere wie Basi Süd in Bassersdorf?
Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts Sotomo («Wohnraum für Zürich und die Schweiz», 2025) zeigt, dass junge Einzelpersonen, Paare und Familien in wachsenden Agglomerationen wie Zürich auf Neubauprojekte angewiesen sind, um bezahlbaren Wohnraum zu finden. Sie machen fast zwei Drittel der Umziehenden aus.
Interessant ist auch, dass im Raum Zürich 80% der Bezüger:innen von Neubauwohnungen aus derselben Gemeinde (41%) oder der nahen Umgebung (39%) stammen. Anders als man wegen der Zuwanderung vermuten könnte, kommen nur gerade 8% direkt aus dem Ausland. Die Sotomo-Studie hält fest: «Per Saldo profitieren von Neubauten hauptsächlich Schweizerinnen und Schweizer». Der Grund dafür: Da sie in derselben Gemeinde oder in der Nähe wohnen, sind sie besser informiert als Auswärtige. Zudem planen sie langfristiger und suchen den Wechsel aus qualitativ schlechteren Nachkriegswohnungen.

Quelle: Sotomo-Studie «Wohnraum für Zürich und die Schweiz» (2025)
